Nothelm, Erzbischof von Canterbury

Gedächtnis: 17. Oktober
Der heilige Nothelm (auch Nothhelm) von Canterbury war ein angelsächsischer Geistlicher und Gelehrter des 8. Jahrhunderts und von 735 bis 739 Erzbischof von Canterbury.
Über seine Herkunft und seine frühen Lebensjahre ist nur wenig bekannt. Bevor er auf den erzbischöflichen Stuhl von Canterbury erhoben wurde, wirkte Nothelm als gelehrter Priester der Kirche von London. In dieser Zeit stand er in Verbindung mit Albinus, dem Abt des Klosters der heiligen Petrus und Paulus in Canterbury, der Beda Venerabilis bei der Sammlung des Materials für dessen Historia ecclesiastica gentis Anglorum unterstützte. Beda nennt Nothelm bereits in der Vorrede seines Werkes ausdrücklich als einen seiner Gewährsmänner. Durch ihn ließ Albinus Beda schriftlich und mündlich Nachrichten über die Geschichte der Kirche in Kent und den angrenzenden Gebieten übermitteln.
Von besonderer Bedeutung war eine Reise des heiligen Nothelm nach Rom. Dort erhielt er von Papst Gregor II. die Erlaubnis, das Archiv der römischen Kirche zu durchsuchen. Er fand Briefe des heiligen Papstes Gregor des Großen und anderer Päpste, fertigte Abschriften an und brachte sie nach England, wo sie Beda für seine Kirchengeschichte zur Verfügung gestellt wurden. Auf diese Weise trug Nothelm wesentlich dazu bei, wichtige schriftliche Zeugnisse über die Anfänge der Kirche unter den Angelsachsen und die Mission des heiligen Augustinus von Canterbury für die Nachwelt zu bewahren.
Der heilige Nothelm beschäftigte sich auch eingehend mit der Heiligen Schrift und richtete exegetische Fragen an Beda. Als Antwort darauf verfasste dieser In regum librum XXX quaestiones, worin er dreißig Fragen Nothelms zu den Büchern der Könige behandelte. Das Werk bezeugt Nothelms theologische Bildung und den gelehrten Austausch zwischen beiden Männern.
Im Jahr 735 wurde der heilige Nothelm als Nachfolger des heiligen Tatwin zum Erzbischof von Canterbury geweiht. Im folgenden Jahr erhielt er von Papst Gregor III. das Pallium. Obwohl seine Amtszeit als Erzbischof nur kurz war, wirkte er an der Festigung der kirchlichen Ordnung in England mit. In den Jahren 736 oder 737 hielt er eine Synode ab, an der neun Bischöfe teilnahmen. Im Jahr 737 war er an der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in Mercia und Mittelengland beteiligt.
Eine besondere Verbindung bestand zwischen dem heiligen Nothelm und dem heiligen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen. Bonifatius wandte sich an den Erzbischof von Canterbury und bat ihn unter anderem um eine Abschrift der überlieferten Fragen des heiligen Augustinus von Canterbury an den heiligen Papst Gregor den Großen und der päpstlichen Antworten darauf. Außerdem ersuchte er Nothelm um Nachrichten über die Ankunft der gregorianischen Mission in England und suchte seinen Rat in kirchenrechtlichen Fragen. Die erhaltene Korrespondenz zeigt damit, dass Nothelm auch über England hinaus als Bewahrer und Vermittler der kirchlichen Überlieferung geschätzt wurde.
Der heilige Nothelm entschlief am 17. Oktober 739. Er wurde in der Kirche der heiligen Petrus und Paulus in Canterbury beigesetzt, der Klosterkirche der späteren St. Augustinus-Abtei, wo bereits mehrere seiner Vorgänger auf dem erzbischöflichen Stuhl ihre Ruhestätte gefunden hatten. Sein Nachfolger als Erzbischof von Canterbury wurde der heilige Cuthbert.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Vorrede und Buch V; Beda Venerabilis, In regum librum XXX quaestiones; Briefe des heiligen Bonifatius; Angelsächsische Chronik; Erzpriester Andrew Phillips, Heiliges England. Geographie und Geschichte; Pravoslavie.ru, Святые предстоятели Английской Церкви („Heilige Vorsteher der Englischen Kirche“).